Pfullendorf Kinderkrankenschwester Eva Boll pflegt Serina seit elf Jahren 

Pfullendorf -  Die elfjährige Serina Berger aus Denkingen leidet unter einer seltenen Hautkrankheit. Seit Serina ein Säugling ist, kommt Eva Boll von der Sozialstation St. Elisabeth in Pfullendorf regelmäßig vorbei, um die Wunden des Mädchens zu versorgen.

Die Kinderkrankenschwester Eva Boll (links) kennt Serina (11) schon aus Säuglingstagen. Rechts die Pflegedienstleiterin der Sozialstation St. Elisabteh, Franziska Lux-Helios.  Bild: Johanson Wer eines der weißen Autos der Sozialstation St. Elisabeth vor einem Haus parken sieht, kombiniert: Hier ist eine Pflegekraft im Einsatz – und verbindet dies automatisch mit der Pflege von alten Menschen. Doch Serina ist keine Seniorin. Das zierliche blonde Mädchen ist elf Jahre alt. Zu den Leistungen der Sozialstation gehört auch die Kinderkrankenpflege. Ambulante Krankenpflege von Kindern ist nicht selbstverständlich: Die nächsten Orte mit diesem Angebot sind Riedlingen und Ravensburg.

Pflegedienstleiterin Franziska Lux-Helios erklärt: „Die Arbeit von Eva Boll, Renate Sieber und Carmen Franke beschränkt sich nicht auf das Einzugsgebiet Pfullendorf, Wald und Ostrach. Wir betreuen zum Beispiel auch Kinder in Überlingen oder Herbertingen.“ Das können herzkranke, körperlich oder geistig behinderte Kinder sein, Frühgeborene mit Ess- und Atemstörungen. Und hinter jedem Kind stehen Eltern, die sich zutiefst sorgen und große Angst haben.

„Das kriegen wir hin“

Petra Berger aus Denkingen erinnert sich: „Uns wurde der Pflegedienst über das Krankenhaus vermittelt, die damalige Leiterin Brigitta Probst sagte zu uns: Das kriegen wir hin.“ Petra Bergers Tochter Serina ist ein Schmetterlingskind. Seit ihrer Geburt leidet sie an der Hautkrankheit Epidermolysis bullosa (EB). Bei ihr kommt es äußerlich und innerlich, also auch im Mund oder in der Speiseröhre, zu Ablösungen der Haut, es bilden sich Blasen und Wunden. Manchmal ist das aufgeweckte Mädchen auf den Rollstuhl angewiesen, wenn etwa die Füße stark in Mitleidenschaft gezogen sind. „Nach der Entbindung in Ehingen wurden wir sofort nach Ulm verlegt, Serina war dort in 30 Jahren das erste Kind mit EB dystrophica“, macht die Mutter deutlich, wie selten die genetisch bedingte Krankheit auftritt.

„Am Fachzentrum in Salzburg sind 270 Fälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz registriert.“

Kinderkrankenschwester Eva Boll hat Serina aufwachsen sehen und erzählt der Elfjährigen: „Früher warst du bis zur Nasenspitze in Tücher und Schutzpolster aus Wattebinden eingepackt.“ Serina blickt von ihrem aufgeklappten Laptop auf. „Da war ich aber noch ein Baby“, wirft sie ein. Sie sitzt am Esszimmertisch und recherchiert im Internet über Geparden. Dieses Thema hat sich die Fünftklässlerin für ihre Vierteljahresarbeit herausgesucht. Sie ist begeisterte Schülerin und eines von drei Inklusionskindern an der Ostracher Gemeinschaftsschule. Sie fährt mit ihren Freundinnen Inline-Skates, mag Pferde und findet Michael Jackson gut. Sie liest und schreibt gern, weshalb sie später einmal Schriftstellerin werden will.

Enges Vertrauensverhältnis

Zeitweise kam die Pflegerin täglich nach Denkingen, um Serina zu baden, ihre Wunden zu desinfizieren, Blasen aufzustechen und Verbände zu wechseln. Inzwischen besucht sie die Familie noch zwei Mal in der Woche. „Der Verbandwechsel hat früher bis zu vier Stunden gedauert, danach waren wir alle fix und fertig“, erzählt die 56-jährige Eva Boll, die selber drei Kinder hat. „Bis wir uns das erste Mal getraut haben, Serina zu baden!“ Auch für sie war EB etwas ganz Neues. Über Serina wurde sie zu einem weiteren Schmetterlingskind vermittelt, das jedoch an der schwersten Ausprägung der Krankheit litt und mit acht Monaten verstarb. „Das war eine herbe Zeit, so etwas kostet viel Kraft“, sagt Eva Boll.

Im Laufe der elf Jahre wurde sie fast so etwas wie ein Familienmitglied bei Bergers, es entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis. „Allein wäre ich überfordert gewesen. Ohne Hilfe hätte ich dem Säugling die Verbände gar nicht wechseln können“, blickt Mutter Petra Berger auf eine Zeit zurück, die sie zeitweise wie in Trance durchlebt hat. „Das erste Jahr habe ich nur funktioniert. An Eva schätze ich ganz besonders die Ruhe, die sie ausstrahlt, das ist wichtig und gibt Sicherheit!“ - 04.06.2014 Kirsten Johanson   

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